04. November 2026

„Machen statt vertagen“ – Junge Polizei stellt die Weichen für die Zukunft

Landesjugendkongress der DPolG Niedersachsen in Hannover: Zwei Tage voller Entscheidungen, neuer Impulse, bewegender Worte und gelebter Gemeinschaft.

16 Delegierte aus ganz Niedersachsen, ein neu gewählter Vorstand, richtungsweisende Anträge und ein Vortrag, der wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird: Der Landesjugendkongress der Jungen Polizei Niedersachsen in Hannover hatte einiges zu bieten. Vor allem aber zeigte er, wie viel Engagement, Zusammenhalt und Gestaltungswille in der gewerkschaftlichen Nachwuchsarbeit stecken.

Verantwortung übernehmen statt Entscheidungen vertagen

Unter der Tagungsleitung von Nicholas Kriegk und Sebastian Scherbinski standen am ersten Kongresstag zunächst die organisatorischen und gewerkschaftlichen Entscheidungen im Mittelpunkt.

Nach der Vorstellung des Geschäftsberichts wurde der bisherige Vorstand entlastet und ein neuer gewählt. Markus Zehle, Janina J., Nico Hobbie und Timo Westerfeld („Wespe“) wurden wiedergewählt. Mit Celina Wilms konnte zudem ein neues Vorstandsmitglied begrüßt werden. Bennett Lange wurde mit persönlichen Worten aus dem Gremium verabschiedet.

Der Geschäftsbericht zeigte, wie vielseitig sich die Junge Polizei in den vergangenen Jahren engagiert hatte. Ihre Vertreterinnen und Vertreter nahmen an zahlreichen Veranstaltungen auf Landes- und Bundesebene teil, beteiligten sich an Diskussionen, knüpften Kontakte und machten sich für die Interessen der jungen Polizeibeschäftigten stark.

Auch die eingereichten Anträge wurden intensiv beraten, diskutiert und schließlich zur Abstimmung gestellt. Dabei ging es nicht nur darum, bestehende Herausforderungen aufzuzeigen, sondern vor allem darum, konkrete Veränderungen anzustoßen und die gewerkschaftliche Arbeit der kommenden Jahre auszurichten.

Besonders treffend brachten es zwei Antragstitel auf den Punkt: „Machen statt vertagen“ und „Lieber einmal entscheiden als dreimal prüfen“. Beide stehen sinnbildlich für den Anspruch, den die Junge Polizei an sich selbst und an eine moderne Organisation stellt. Denn wer etwas verändern möchte, muss auch bereit sein, Entscheidungen zu treffen.

Mit Christian-Tobias Gerlach war auch der Landesvorstand an beiden Kongresstagen vertreten. Patrick Seegers, Landesvorsitzender der DPolG Niedersachsen, ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, die Junge Polizei persönlich zu begrüßen. Die Präsenz der Landesführung unterstrich den Stellenwert der Nachwuchsarbeit innerhalb der Gewerkschaft.

Gemeinschaft, die über die Gremienarbeit hinausgeht

Bei aller notwendigen Gremienarbeit kam auch das Miteinander nicht zu kurz. Die Atmosphäre war offen, herzlich und beinahe familiär. Unterschiedliche Dienststellen, Erfahrungen und Perspektiven spielten dabei kaum eine Rolle. Vielmehr verband die Teilnehmenden der gemeinsame Wunsch, die Polizei und die Arbeitsbedingungen ihrer Beschäftigten aktiv mitzugestalten.

Ein solcher Kongress lebt nicht nur vom Engagement seiner Mitglieder, sondern auch von verlässlichen Partnern. Die HUK war mit zwei Vertretern persönlich vor Ort und widmete sich unter anderem dem Thema Altersvorsorge. Über einen QR-Code konnten die Teilnehmenden individuelle Berechnungen durchführen und sich mit verschiedenen Möglichkeiten der privaten Vorsorge beschäftigen.

Nach einem ereignisreichen ersten Tag ging es in geselliger Runde weiter. Bei einem Gewinnspiel warteten Präsente der Kooperationspartner auf die Teilnehmenden, bevor der Abend in einer Karaokebar seinen musikalischen Höhepunkt fand.

Dabei stellte sich heraus, dass einige ihre Talente offenbar nicht ausschließlich im Polizeidienst oder in der Gewerkschaftsarbeit haben. Ob tatsächlich jede Stimme den richtigen Ton traf, dürfte ohnehin zweitrangig gewesen sein. Entscheidend waren der Spaß, die gemeinsamen Gespräche und das Lachen, das diesen Abend begleitete.

Ein zweiter Tag voller Impulse

Der zweite Kongresstag begann mit einer Begrüßung durch Markus Zehle. Anschließend erwartete die Teilnehmenden ein abwechslungsreiches Programm mit Gästen aus Polizei, Politik und Gewerkschaft.

Ein Vortrag, der unter die Haut ging

Ein besonderer Höhepunkt des Kongresses war der Vortrag von Jan Fischer mit dem Titel „Vom Peter Parker zum Hurensohn des Jahres“.

Fischer berichtete von seinem Weg innerhalb der Polizei, zuletzt bei der Polizei in Göttingen und davon, weshalb er sich nach 16 Jahren im Polizeidienst dazu entschied, diesen zu verlassen.

Was folgte, war alles andere als ein gewöhnlicher Vortrag.

Über zwei Stunden lang herrschte im Saal eine bemerkenswerte Stille. Die Teilnehmenden hörten aufmerksam zu, ließen sich auf seine Erfahrungen ein und wurden mit Fragen konfrontiert, die weit über einzelne berufliche Erlebnisse hinausgingen.

Es ging um Haltung, Führung, Verantwortung und persönliche Überzeugungen. Aber auch darum, was der Polizeiberuf mit den Menschen macht, die ihn ausüben, und welche Spuren bestimmte Erfahrungen hinterlassen können.

Fischer gelang es, sein Publikum gleichermaßen emotional zu berühren, zum Nachdenken anzuregen und zu motivieren. Seine Worte luden dazu ein, eigene Erfahrungen und Sichtweisen zu hinterfragen. Vor allem aber warfen sie eine Frage auf, die uns alle beschäftigen sollte: Wie schaffen wir eine Polizei, in der Menschen nicht nur ihren Dienst verrichten, sondern dies auch langfristig gerne und mit Überzeugung tun?

Am Ende gab es tosenden Applaus. Und wohl auch den einen oder anderen Gedanken, den die Teilnehmenden mit nach Hause genommen haben dürften.

Diskussion auf Augenhöhe

Viele der angesprochenen Themen fanden anschließend ihren Platz in einer Podiumsdiskussion, durch die Nicholas Kriegk souverän führte.

Mit Jan Fischer, Uwe Lange (Polizeivizepräsident der Polizeidirektion Braunschweig), Lara Wiechers (Landesjugendleitung des dbb Jugend Niedersachsen), Karoline Czychon (Landesvorsitzende der Jungen Union Niedersachsen), Tim Heckeroth (Landesvorstand der Jungen Liberalen) sowie Christian-Tobias Gerlach (stellvertretender Landesvorsitzender der DPolG Niedersachsen) kamen unterschiedliche Perspektiven auf einem Podium zusammen.

Dabei wurde deutlich, wie wertvoll es sein kann, wenn polizeiliche Praxis, Führung, Politik und gewerkschaftliche Interessenvertretung miteinander ins Gespräch kommen. Unterschiedliche Standpunkte wurden eingebracht, Argumente ausgetauscht und Denkanstöße gegeben.

Das Interesse war groß, die Themen vielfältig und die Zeit letztlich fast zu knapp. Die Diskussion hätte durchaus noch länger dauern können.

Gerade solche Formate zeigen, dass die Zukunft der Polizei nicht ausschließlich durch Vorschriften, Erlasse oder organisatorische Entscheidungen bestimmt wird. Sie wird auch davon geprägt, wie Menschen miteinander umgehen, ob sie bereit sind, zuzuhören, und ob unterschiedliche Meinungen als Chance zur Weiterentwicklung verstanden werden.

Die Zukunft beginnt mit denen, die sie gestalten wollen

Der Landesjugendkongress in Hannover war weit mehr als eine Veranstaltung mit Wahlen, Anträgen und einem festen Programm. Er bot Raum für Begegnungen, ehrliche Gespräche, neue Perspektiven und gemeinsame Ideen.

Vor allem wurde deutlich, wie wichtig es ist, jungen Polizeibeschäftigten nicht nur eine Stimme zu geben, sondern sie auch tatsächlich an Entscheidungen zu beteiligen. Denn sie sind nicht erst die Zukunft der Polizei. Sie sind bereits heute ein wichtiger Teil von ihr, tragen Verantwortung und erleben unmittelbar, wo Veränderungen notwendig sind.

Ein besonderer Dank gilt allen Delegierten, den Organisatorinnen und Organisatoren, den Gästen sowie den Partnern und Unterstützern, die diesen Kongress möglich gemacht haben.

Was von diesen beiden Tagen bleibt, sind nicht nur Wahlergebnisse und Beschlüsse. Es sind auch die Gespräche zwischen den Programmpunkten, die bewegenden Momente während des Vortrags, das gemeinsame Lachen und die Gewissheit, mit seinen Ideen und Überzeugungen nicht allein zu sein.

Denn Zukunft wird nicht gestaltet, indem man immer wieder über sie spricht. Sondern indem man anfängt, etwas zu bewegen.

 

Lina-Catharina Steinfeld

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