04. Juni 2022

Personalstrukturbericht offenbart Erschreckendes - Polizei vor massivem Personalabbau

Der am 31. Mai veröffentlichte Personalstrukturbericht des Landes Niedersachsen wartet mit dramatischen Zahlen auf. Bei schwindender Attraktivität des Berufsbildes ist es auf dem ohnehin umkämpften Markt nicht einfach Nachwuchs zu finden - nun kommt nochmal deutlich der altersbedingte Personalabbau in den Folgejahren hinzu. Insgesamt sagt der Bericht nicht nur einen personellen Umbruch voraus, sondern indirekt auch einen massiven und gebündelt stattfindenden Erfahrungs- und Qualitätsverlust.

Die Polizei Niedersachsen beschäftigt laut Bericht mehr als 22.000 Personen (im Vergleich dazu: Hochschulwesen: ca. 44.000 / Schulen: ca. 88.000) und wird sich in den Folgejahren alterstechnisch deutlich verändern.

Konkret besagt der Bericht mit Bezug auf die Polizei Niedersachsen, dass in den kommenden fünf Jahren mehr als 4600 Beschäftigte (20 %) sowie in den nächsten zehn Jahren mehr als 8200 Beschäftigte (36%) die Polizei verlassen werden. Der geplante Personalnachersatz reicht dabei keineswegs. Der DPolG-Landesvorsitzende meint: "Wir müssen diesen Alarmsignalen deutlicher entgegenwirken. Die Aufgabenzunahme ist nicht von der Hand zu weisen: Bereiche wie Kinderpornographie und Cybercrime können dabei nur stellvertretend genannt werden. Wir brauchen eine Personal- und Attraktivitätsoffensive, um zumindest den Status quo erhalten zu können."

Mit dem quantitativen Personalverlust geht auch immer zunächst einmal ein Qualitätsverlust einher, der über die Jahre mit Erfahrungswissen wieder aufgebaut werden kann. Kommt es aber zu solchen Peaks wie in der nächsten Dekade, wird dem realistisch kaum noch nachzukommen sein.

Patrick Seegers mahnt: "Wir wollen und müssen diverser und jünger werden. Das ist auch okay. Wenn das Ziel jedoch dadurch erreicht wird, dass wir abwarten bis manche Dienststellen binnen kürzester Zeit den Altersschnitt um 20 Jahre senken, nur weil KollegInnen in Pension gehen, dann ist das keine progressives Zukunftsdenken, sondern ein Aussitzen auf dem Rücken derjenigen, die in die Bresche springen müssen."

Es bedarf bei der Personalplanung keiner Spitzen, sondern gesunder und stetiger Aufforstung und bedarfsorientierter Anpassung. Steigen Bedarfe, muss auch beim Personal zugelegt werden. "Eine gute Polizei bedarf eines ausreichenden Personalkörpers, damit sie effektiv funktionieren und den Anforderungen der Gesellschaft auch adäquat gerecht werden kann - wir dürfen nicht immer auf Kante nähen, sondern brauchen Reserven. Das muss im Landtagswahljahr Allen sehr klar werden!" resümiert Seegers.


Mehr zum Personalstrukturbericht unter:
https://www.mi.niedersachsen.de/startseite/themen/ressortubergreifende_personalgewinnung_und_entwicklung/personalentwicklung/personalentwicklung-pe-60402.html